Matterhorn-Protokoll: PDF/UA systematisch prüfen
Das Matterhorn-Protokoll ist ein öffentlich verfügbarer Prüfstandard der PDF Association, der die Anforderungen der ISO 14289 (PDF/UA) in konkrete, nachvollziehbare Prüfpunkte übersetzt. Es richtet sich an Dokumentenprüferinnen und -prüfer, Entwicklerinnen und Entwickler sowie Qualitätssicherungsverantwortliche. Das Protokoll unterscheidet zwischen maschinell verifizierbaren und manuell zu bewertenden Fehlerbedingungen und bildet die Grundlage für automatisierte Prüfwerkzeuge wie PAC und axesCheck.
Was ist das Matterhorn-Protokoll
Das Matterhorn-Protokoll wurde vom PDF/UA Competence Center der PDF Association erarbeitet. Es übersetzt den ISO-Standard 14289-1:2012 in 31 Prüfpunkte mit 136 Fehlerbedingungen. Die aktuell gültige Fassung ist Version 1.1, veröffentlicht im April 2021. Das Protokoll ist öffentlich zugänglich und kann auf der Website der PDF Association als PDF/UA-konformes Dokument heruntergeladen werden. Es dient als Referenz für Dokumentenersteller, Prüferinnen und Softwareentwicklerinnen gleichermaßen.
Maschinell prüfbar vs. manuell
Von den 136 Fehlerbedingungen des Matterhorn-Protokolls lassen sich 89 maschinell prüfen; 45 müssen von Menschen bewertet werden; bei 2 Bedingungen gibt es keine festgelegte Prüfmethode.
Maschinell prüfbare Beispiele
- Vorhandensein eines gültigen Tag-Baums
- Korrekte Sprachauszeichnung auf Dokument- und Elementebene
- Vorhandensein von Alternativtexten auf Strukturebene (nicht inhaltlich)
- Korrekte Metadaten und Einstellungen (z. B. DisplayDocTitle)
Manuell zu prüfende Beispiele
- Inhaltliche Korrektheit und Angemessenheit von Alternativtexten
- Logische Lesereihenfolge aus inhaltlicher Perspektive
- Übereinstimmung der Tags mit der visuell erkennbaren Semantik
- Korrekte Kennzeichnung von Artefakten (dekorativen Elementen)
Nur die Kombination beider Prüfmethoden ermöglicht eine vollständige Konformitätsprüfung nach PDF/UA.
Wie wird das Matterhorn-Protokoll in der Praxis genutzt
PAC und axesCheck implementieren nahezu alle 89 maschinell prüfbaren Fehlerbedingungen des Matterhorn-Protokolls und weisen in ihren Ergebnissen auf die entsprechenden Prüfpunktnummern hin. Das ermöglicht eine nachvollziehbare Dokumentation von Befunden in Prüfberichten. Für eine vollständige Qualitätssicherung wird der automatisierte Test mit einer Sichtprüfung und manuellen Bewertung der inhaltlichen Punkte kombiniert. PAC bietet hierfür eine Screenreader-Vorschau und eine Logische-Struktur-Ansicht als Unterstützung.
Matterhorn-Protokoll und PDF/UA-2
Die PDF Association hat den Aufgabenbereich für eine Weiterentwicklung des Matterhorn-Protokolls auf PDF/UA-2 im Rahmen der PDF/UA Technical Working Group ausgewiesen. Eine öffentlich veröffentlichte Version 2.0 des Matterhorn-Protokolls speziell für PDF/UA-2 lag zum Zeitpunkt der Redaktion dieser Seite noch nicht vor. Solange keine aktualisierte Fassung verfügbar ist, bleibt das Matterhorn-Protokoll 1.1 die Referenz für PDF/UA-Prüfungen.
Häufige Fragen zum Matterhorn-Protokoll
Was ist der Unterschied zwischen dem Matterhorn-Protokoll und PAC?
Das Matterhorn-Protokoll ist die Prüfsystematik – die strukturierte Liste aller Fehlerbedingungen nach ISO 14289. PAC ist das Werkzeug, das die maschinell verifizierbaren Fehlerbedingungen des Protokolls automatisiert überprüft. Das Protokoll definiert, was geprüft werden soll; PAC führt diese Prüfung technisch durch.
Muss ich das Matterhorn-Protokoll kennen, um PDFs barrierefrei zu machen?
Für die Dokumentenerstellung selbst ist ein detailliertes Kenntnis des Protokolls nicht zwingend erforderlich. Wer jedoch systematisch prüft, Prüfberichte erstellt oder Prüfprozesse verantwortet, sollte mit dem Protokoll vertraut sein – es liefert die fachliche Grundlage für Befunddokumentation und Qualitätssicherung.
Wo bekomme ich das Matterhorn-Protokoll?
Das Matterhorn-Protokoll steht kostenlos auf der Website der PDF Association zum Download bereit: Matterhorn-Protokoll – pdfa.org.